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Dupuytren-Krankheit

Bei der Dupuytren'schen Erkrankung (auch Dupuytren'sche Kontraktur, Morbus Dupuytren genannt) können die Finger nicht mehr frei gestreckt werden. Sie krümmen sich Richtung Handfläche
von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 27.08.2013

Die Finger lassen sich nicht mehr strecken? Dieses Symptom kann auf die Dupuytren'sche Krankheit hindeuten

Thinkstock/iStock

Bei der Dupuytren'sche Erkrankung können die Finger nicht mehr frei gestreckt werden und krümmen sich in Richtung der Handinnenfläche. Diese Symptome wurden erstmals 1832 von dem französischen Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren beschrieben.

Heute weiß man, dass die Ursache eine gutartige Wucherung des Bindegewebes ist. Es wächst um die Fingersehnen und behindert so die Fingerstreckung. Der Morbus Dupuytren zählt zum Kreis der sogenannten Fibromatosen.

Eine verwandte Erkrankung ist der Morbus Ledderhose. Hier vedickt sich das Bindegwebe an den Fußsohlen.

Beratender Experte: Prof. Dr. med. Markus Küntscher, Chefarzt der Abteilung für Plastische und Handchirurgie / Leiter Rekonstruktives Brustzentrum, Evangelische Elisabeth Klinik, Berlin

W&B/Privat

Symptom: Verdickungen an der Handinnenfläche

"Die Dupuytren'sche Erkrankung ist eine Veränderung des Bindegewebes der Hand. Hierdurch kommt es zu einer Knotenbildung im Bereich der Handinnenflächen und der Beugeseite der Finger", erklärt Professor Dr. med. Markus Küntscher, Chefarzt der Abteilung für Plastische und Handchirurgie an der Evangelischen Elisabeth Klinik in Berlin.

Das erste Symptom, das die Patienten bemerken, ist meist eine langsame Verhärtung der Handinnenfläche. Es dauert im Normalfall aber Monate bis Jahre, bis die knotige oder strangartige Verdickung auch die Beugung in den Fingergrund- und -mittelgelenken einschränkt. Der Arzt spricht dann von einer Beugekontraktur.

Die Dupuytren'sche Krankheit betrifft am häufigsten Ring- und Kleinfinger. In manchen Fällen kann auch der Daumen nicht mehr gestreckt oder abgespreizt werden. Die Hälfte aller Patienten hat Beschwerden an beiden Händen.

Wie verläuft die Krankheit?

Die Symptome können über Jahre fortschreiten, aber auch in jeden Stadium zum Stillstand kommen: Bei einigen Patienten bleiben die Symptome jahrelang nahezu konstant. Bei anderen Patienten nimmt die Fingerverkrümmung schnell zu, oft innerhalb einiger Monate.

Wer ist betroffen?

Der Morbus Dupuytren tritt meist im mittleren Lebensalter auf. "Männer sind wesentlich häufiger als Frauen betroffen", weiß Küntscher. Bei ihnen beginnt die Krankheit auch im Durchschnitt zehn Jahre früher. Die Deutsche Dupuytren Gesellschaft schätzt die Gesamtzahl der Dupuytren-Patienten in Deutschland auf 1,3 - 1,9 Millionen.

Dupuytren-Krankheit: Was ist die Ursache?

"Die Ursachen der Erkrankung sind bis heute nicht vollständig geklärt", sagt der Handchirurg. Forscher vermuten aber eine erbliche Veranlagung, kombiniert mit einem Auslöser, zum Beispiel Verletzungen. Häufiger kommt die Dupuytren'sche Erkrankung bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Epilepsie oder starkem Alkoholkonsum vor. "In den meisten Fällen tritt sie jedoch ohne ersichtlichen Grund auf", erzählt Küntscher.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Dem erfahrenen Arzt genügt meist ein Blick auf die betroffene Hand, um die Diagnose Dupuytren'sche Krankheit zu vermuten. Zusammen mit der Krankheitsgeschichte und der körperlichen Untersuchung wird der Verdacht erhärtet.

Der Arzt muss allerdings andere mögliche Ursachen ausschließen – zum Beispiel verhärtete Narben, Gelenkverschleiß (Arthrosen) und den sogenannten "schnellenden Finger". Dazu kann eine Röntgen- oder Magnetresonanz-Aufnahme nötig sein. In seltenen Fällen, besonders bei jungen Patienten, sollte außerdem ein Tumorverdacht abgeklärt werden.

Die Behandlungsmethoden

Die Krankheit an sich ist bisher nicht heilbar, stellt aber keine Lebensgefahr da. Der Arzt wählt die passende Therapie nach den Beschwerden und Einschränkungen des Patienten aus. Nicht jeder, der Symptome der Dupuytren'schen Krankheit hat, braucht eine Therapie. Im höheren Alter wachsen die Knoten meist sehr langsam und behindern viele Betroffene nicht allzu sehr. Welche Behandlung angebracht erscheint, sollte individuell geklärt werden.

Operation bei Morbus Dupuytren

Im Allgemeinen empfehlen Ärzte eine Operation, wenn die Krankheit soweit fortgeschritten ist, dass die Hand nicht mehr flach auf den Tisch gelegt werden kann. Bei der Operation wird das krankhafte Bindegewebe möglichst vollständig entfernt, damit sich die Sehnen wieder frei bewegen können.

"Selten können bei solchen Operationen Fingernerven oder Blutgefäße verletzt werden. Man sollte erst operieren wenn die Wucherungen des Bindegewebes so stark sind, dass sie entweder die Finger in eine Position ziehen oder zu Schmerzen führen", erzählt der Experte für Handchirurgie aus seiner Arbeit. "Eine reine Knotenbildung muss nicht operiert werden." Auf der anderen Seite sollte mit der Operation nicht zu lange gewartet werden. Denn bei extrem krummen Fingern ist häufiger mit Komplikationen zu rechnen.

Der Eingriff kann in Voll- oder Teilnarkose erfolgen und wird sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt. Im Anschluss an die Operation ist eine physiotherapeutische Behandlung notwendig, bei der die Beweglichkeit der Finger trainiert wird.

Nadelfasziotomie

Als Alternative nehmen Ärzte in bestimmten Fällen eine sogenannte Nadelfasziotomie (Fibrosenperforation) vor. Der minimal-invasive Eingriff erfolgt üblicherweise ambulant in örtlicher Betäubung. Der Arzt schwächt die Dupuytren-Stränge mit Nadelstichen so weit, dass sie gestreckt und zerrissen werden können. Der Vorteil dieser Behandlung liegt in einer schnelleren Heilungszeit. Allerdings besteht im Vergleich zur Operation ein höheres Rückfallrisiko.

Manchmal hilfreich: Bestrahlung

In frühen Stadien gibt es in manchen Fällen die Möglichkeit, die Handinnenfläche mit Röntgen-/Gammastrahlen zu bestrahlen. Die Strahlen hemmen das Wachstum des Bindegewebes und verhindern so ein Fortschreiten der Erkrankung.

Quellen:

Homepage der Deutschen Dupuytren Gesellschaft e.V.
http://www.dupuytren-online.de (Abgerufen 12.08.13)

Universitätsklinikum Heidelberg, Orthopädie und Unfallchirurgie
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Morbus-Dupuytren.110159.0.html (Abgerufen 11.08.13)

Steffen Breusch, Hans Mau, Desiderius Sabo et al. Klinikleitfaden Orthopädie Unfallchirurgie. 6. Auflage, München, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2009

Jürgen Kopp, Raymund E. Horch, Fortbildung: Plastische Chirurgie/ Handchirurgie, Morbus Dupuytren – Diagnostik und Therapie. CHAZ  4. Jahrgang, 6.Heft, 2003

 

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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Thinkstock/iStock, W&B/Astrid Zacharias, W&B/Privat

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