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Bauchspeicheldrüsenkrebs behandeln

Wird Krebs in der Bauchspeicheldrüse festgestellt, ist er meist schon fortgeschritten. Die Therapie ist bislang begrenzt. Doch es gibt Hoffnung
von Gerlinde Gukelberger-Felix, Dr. Claudia Osthoff, aktualisiert am 14.06.2017

Befindet sich zwischen Zwölffingerdarm, Magen und Milz: die Bauchspeicheldrüse

W&B/Dr. Ulrike Möhle; Fotolia/Brilt

In Deutschland erkranken etwa 16.000 Menschen pro Jahr an Bauchspeicheldrüsenkrebs – eine eher kleine Zahl im Vergleich etwa zu Lungen-, Brust- oder Darmkrebs. Dennoch ist Bauchspeicheldrüsenkrebs ein ernstes Problem. Es ist ein sehr bösartiger und schlecht behandelbarer Tumor, der zudem oft erst spät entdeckt wird.

Die Erkrankungsrate ist in den letzten Jahren angestiegen. "Es ist ein Tumor, der mit zunehmendem Alter häufiger auftritt", erklärt der Gastroenterologe Professor Jens Siveke vom Westdeutschen Tumorzentrum des Universitätsklinikums Essen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren für Männer und bei 75 Jahren für Frauen.

Bester Schutz: Risikofaktoren meiden

"Wir wissen, dass es Faktoren gibt, die offenbar ursächlich beteiligt sind oder zumindest das Erkrankungsrisiko erhöhen. Dazu zählen vor allem aktives und passives Rauchen, starkes Übergewicht und Typ-2-Diabetes, erhöhter Alkoholkonsum, chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Veränderungen im sogenannten RAS-Gen und genetische Faktoren wie beispielsweise die Brustkrebsgene BRCA-1 und BRCA-2", sagt der Onkologe Professor Ruben Plentz vom Universitätsklinikum Tübingen.

Das RAS-Gen und die BRCA-1- und -2-Gene gehören zum normalen Genbestand. Durch bestimmte Veränderungen (Mutationen) können sie jedoch zu Krebsgenen werden. Diese setzen Kontrollvorgänge beim Zellwachstum außer Kraft. BRCA-1- und -2-Mutationen spielen vor allem bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs eine Rolle. Auch Verwandte ersten Grades von Patienten mit Pankreaskarzinom haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Im Hinblick auf erhöhten Blutzucker hat eine Studie kürzlich festgestellt, dass über längere Zeit erhöhte Blutzuckerwerte das Risiko eines Pankreaskarzinoms erhöhen. Dieses Ergebnis ist wichtig, denn zunehmend mehr Menschen haben einen gestörten Zuckerstoffwechsel. Tritt ein Typ-2-Diabetes neu auf, kann das auch auf einen Krebs  der Bauchspeicheldrüse hinweisen. "Wer derartige Risikofaktoren, entsprechende Symptome oder einen neu aufgetretenen Typ-2-Diabetes hat, sollte unbedingt zum Arzt gehen, um seine Bauchspeicheldrüse auf verdächtige Strukturen untersuchen zu lassen", rät Siveke. Schließlich stehen auch einige Chemikalien im Verdacht, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu fördern.

Wie lässt sich Bauchspeicheldrüsenkrebs behandeln?

Zum Einsatz kommen in erster Linie Operation und Chemotherapie. Letztere kann in bestimmten Situationen mit einer Strahlentherapie kombiniert werden.

Früh entdeckt, ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs meist gut zu operieren. Dabei werden auch Lymphknoten entfernt und untersucht. Absiedlungen – also Tumorzellen, die zu Metastasen heranwachsen können – können sich jedoch schon früh ausbreiten. Um das erhöhte Rückfallrisiko zu senken, raten Ärzte, sofern noch keine Metastasen in anderen Organen vorhanden sind, zu einer ergänzenden, sogenannten adjuvanten Chemotherapie mit zellwachstumshemmenden Medikamenten.

Dabei kommen derzeit Substanzen wie Gemcitabin oder 5-Fluorouracil/Folinsäure zum Einsatz. Eine europäische Studie (ESPAC-4) hat ergeben, dass eine kombinierte adjuvante Chemotherapie mit Gemcitabin und der Substanz Capecitabin (beide ähneln und ergänzen sich) im Anschluss an die operative Entfernung des Tumors die Überlebensaussichten verbessert. Hier könnte die Behandlung künftig angepasst werden.

Aber noch weitere Studienergebnisse mit verschiedenen Kombinationen zur adjuvanten Therapie werden absehbar folgen.  Forscher untersuchen auch, inwieweit eine Chemotherapie Tumoren verkleinern kann, sodass sie im Anschluss noch operiert werden können (sogenannte neoadjuvante Therapie).

Oder sie suchen nach Wegen, um die Chemotherapeutika besser in den Tumor zu bringen und so das Ansprechen auf die Behandlung zu verbessern. An weiteren neuartigen Therapieansätzen forschen Mediziner, die sich mit der sogenannten Epigenetik befassen (siehe unten).

Die meisten Pankreaskarzinome werden derzeit erst gefunden, wenn der Tumor zumindest nicht mehr vollständig operabel ist oder bereits Metastasen vorliegen. "Kann der Tumor in diesem Stadium durch eine Operation nur teilweise entfernt werden, wird versucht, sein Wachstum mittels einer kombinierten Chemotherapie zu verlangsamen, Komplikationen zu verhindern und Beschwerden zu lindern", erläutert Ruben Plentz.
Welche Chemotherapie am besten für einen Patienten geeignet ist, hängt neben den verschiedenen Merkmalen des Tumors in erster Linie vom körperlichen Zustand des Betroffenen und dessen Alter ab.

Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Adjuvante Chemotherapie

  • Gemcitabin: Wird in die Erbsubstanz  eingebaut und greift dann hemmend in die Zellteilung ein. Häufige Nebenwirkungen sind unter anderem Veränderungen des Blutbilds und Kurzatmigkeit
  • Fluorouracil/Folinsäure: Hat einen ähnlichen Angriffspunkt wie Gemcitabin. Wichtigste Nebenwirkung ist eine Schädigung des Knochenmarks

Palliative Chemotherapie

Experte Plentz beschreibt die Chemotherapie beim metastasierten Pankreaskarzinom: Liegen bereits Metastasen vor, kann eine Chemotherapie den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und die Überlebenszeit verlängern. Um die Chemotherapie möglichst schlagkräftig zu machen und die Nebenwirkungen zu minimieren, werden häufig mehrere zellwachstumshemmende Medikamente kombiniert verwendet. Das Ansprechen auf die Chemotherapie wird mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall (Sonografie), außerdem Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Die Behandlung lässt sich im Verlauf der Erkrankung ändern.

  • Gemcitabin plus Erlotinib: Gilt zum Beispiel für stärker geschwächte Patienten als recht verträglich. (Zu Gemcitabin siehe adjuvante Chemotherapie). Erlotinib ist ein sogenannter Tyrosinkinase-Inhibitor. Das bedeutet: Der Wirkstoff blockiert ein spezielles Enzym, die Tyrosinkinase, wodurch ein bestimmter Wachstumsfaktor gehemmt wird, der beim Tumorwachstum eine Rolle spielt. Zu den Nebenwirkungen gehören unter anderem Hautausschläge und Durchfall.
  • Gemcitabin plus nab-Paclitaxel: Ist auch für Patienten mit schlechterem Allgemeinzustand und beginnender Gelbsucht geeignet. Nab-Paclitaxel ist eine spezielle Dareichungsform des Wirkstoffs Paclitaxel, der hemmend in die Zellteilung eingreift. Mögliche Nebenwirkungen sind beispielsweise eine Schädigung des peripheren Nervensystems (Polyneuropathie) und Haarausfall.
  • FOLFIRINOX: Enthält die drei Wirkstoffe 5-Fluorouracil /Folinsäure, Irinotecan und Oxaliplatin: Eher bei jüngeren Patienten mit nicht allzu schlechtem Allgemeinbefinden angewendet. Mögliche Nebenwirkungen: Zum Beispiel Blutbildveränderungen mit Abnahme der weißen Blutkörperchen, Durchfälle und Tumormüdigkeit (Fatigue).

Örtliche Therapiemaßnahmen

Wenn der Tumor im Pankreaskopf liegt und durch sein Wachstum beispielsweise den Gallengang einengt, kann der Arzt über ein Endoskop ein Kunststoffröhrchen, einen sogenannten Stent, in den Gallengang einbringen, um die Galle abzuleiten. Damit lassen sich Symptome wie Gelbsucht, Juckreiz, durchfallartige Fettstühle und Gewichtsverlust eine Zeit lang lindern.

Neue Therapieansätze aus der Epigenetik

"Es gibt zwar gewisse Therapie-Erfolge, aber das Pankreaskarzinom ist in zu hohem Maße resistent gegen Chemotherapie und Strahlentherapie", sagt Siveke. "Daher wird intensiv daran geforscht, die Besonderheiten des Tumors noch besser zu verstehen und neue Behandlungsansätze wie beispielsweise epigenetische Therapien zu entwickeln", erläutert der Mediziner. Studien haben gezeigt, dass nicht nur Veränderungen in bekannten Krebsgenen wie beispielsweise RAS eine Rolle spielen, sondern auch epigenetische Faktoren.

Epigenetik beschreibt, wie sehr die Umwelt und unser Lebensstil Einfluss auf die Gene haben. Beides kann die Aktivität der Gene verändern, das heißt wie oft ein Genabschnitt abgelesen und das entsprechende Eiweiß (Protein) hergestellt wird. Bestimmte Proteine, die zentrale Funktionen einer Zelle bestimmen, werden auch als Masterfaktoren bezeichnet. Viele von ihnen sind beim erwachsenen Menschen hauptsächlich in Stammzellen aktiv, die noch jede Funktion im Körper übernehmen können. Master-Faktoren können im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung reaktiviert werden.

"Eine Therapie, die direkt an ihnen ansetzt und sie kontrolliert, halten wir derzeit für aussichtsreich. Wenn es gelingt, sie zu blockieren, dann begehen die Tumorzellen einen programmierten Zelltod oder können keine Resistenz gegen unsere Therapieverfahren aufbauen." Derartige Therapien hätten noch einen weiteren Effekt: Sie können Botenstoffe blockieren, die von Tumor- und Immunzellen gebildet werden und die Immunantwort des Körpers gegen die Tumoren unterbinden. Das wäre ein echter Fortschritt – für viele Krebserkrankungen.



Bildnachweis: W&B/Dr. Ulrike Möhle; Fotolia/Brilt

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